TV-Doku Andalusien
711 Spanien von christlich-römischer, westgotischer und jüdischer Kultur geprägt. Muslimische Eroberer finden in den verfolgten Juden Verbündete im Kampf gegen die Westgoten. 732 Grossteil iberischer Halbinsel unter islamischer Kontrolle. Al-Andalus im Westen Land der Mauren genannt. Juden und Christen erhalten Status von dhimmi. Religionsausübungserlaubnis unter der Bedingung der Anerkennung der Herrschaft des Islam und der Zahlung der Schutzsteuer. Politische und religiöse Spannungen durch arabische und berberische Stämme innerhalb der muslimischen Gemeinschaft. Berber revoltieren gegen die arabische Aristokratie. Der Umayyade Abdarrahman entkommt einem Putsch gegen seine Familie in Damaskus [Siehe The History of al-Tabari, xxviii, Abbasid Authority Affirmed, Übers.: J. Dammen McAuliffe, 54ff.] Flüchtet ins Land seiner Mutter. Abdarrahman vereinigt Kräfte für einen Umsturz der Mauren. Es kommt zur Schlacht gegen den Gouverneur von al-Andalus. Abdarrahman siegt, erklärt sich zum Emir und wählt Cordoba als Hauptstadt. Lässt eine Moschee erbauen, die eines der grössten Gebäude der damaligen Zeit wird. Baumeister aus Konstantinopel werden hinzugezogen. Abdarrahman gründet neue Dynastie. Cordoba wird zur multikuturellen Metropole. Christen und Juden integriert in einer offenen Gesellschaft. Andalus wird zum internationalen Umschlagplatz. Siriab aus Bagdad gründet erstes Musikkonservatorium Europas und brachte neuste Moden nach Andalus. Erheblich Spannungen im nördlichen Saragossa führen im 8.Jh. zur Rebellion der ehem. christlichen Konvertiten, wegen unerfüllten Ansprüchen auf Vorrechte und Einkünfte der Oberschicht. In Cordoba wird eine Armee aufgestellt. Bürgerkriege gefährden die kulturelle Balance.
900 noch keine Einigung der Völker. 812 Abdarrahman III kann das Land befrieden. Spanien erlebt unter ihm höchste Blüte. Kalifate im nahen Osten und Nordafrika bilden das islamische Reich. 929 sagt sich Abdarrahman von ihrer Oberhoheit los und ruft sich zum Kalifen, legitimen Nachfolger des Propheten aus. Konnte dadurch Riesensummen in das Bauprojekt Medina az-Zahara in Cordoba investieren und enormen wirtschaftlichen Aufschwung einleiten. 955 sendet der Kalif seinen christlichen Sekretär Rezemund an den Hof des deutschen Kaisers Otto I, um ein Abkommen zur Beilegung eines Konflikts auszuhandeln. Hasdai (Abu Yusuf ben Yitzhak ben Ezra) ibn Shaprut heilt Abdarrahman von einer schweren Krankheit. Hasdai beschäftigte sich auch mit Religion und Wissenschaften. Wissenschaftler teilten ihre Erkenntnisse. Kalif betrieb Bildungsaustausch mit dem Kaiser von Konstantinopel. Aufzeichnungen des Dioskurides werden übersetzt. Islamische Kultur sammelt unterschiedlichste Kenntnisse anderer Kulturen, nimmt sie auf und bereichert sie durch eigene Erkenntnisse. Der Dichter Solomon ben Jehuda ibn Gabirol beschwört im 11.Jh. seine poetische Vision Gottes in interreligiösen Dialogen. Dichtung dient zur Verbreitung von Lebensanschauungen. In al-Andalus entsteht eine der grössten Bibliotheken des Mittelalters. Vom Zustrom wissenschaftlicher Erkenntnisse profitieren Landwirtschaft, Bewässerungstechnik und Gartenkultur. Mit dem Tod von al-Hakam dem Nachfolger Abdarrahmans 976 erneuter Bürgerkrieg durch den Berbergeneral al-Mansur. Cordoba wird niedergebrannt. Zeit der Fitna.
Zu Beginn des 11.Jh. Blüte. Nach dem Tod zerfällt das Land in Ta’ifas (kl. Königreiche). Der jüdische Student Samuel ibn Naghrela flieht aus Cordoba in die Ta’ifa Malaga und arbeitet dort bei einem Schlachter. Betrauert den Verlust in einem Gedicht. Der muslimische Student Ibn Hazm zieht durch Spanien auf der Suche nach Gönnern, unter denen er seine Studien fortsetzen kann. In seiner Jugend Idealist, will Kalifat erneuern. Setzt immer auf die Verlierer. Überlebenskampf beider unter den Konkurenzkämpfen der Ta’ifas. Ibn Naghrela gelangt nach Granada und zu Anerkennung beim Wezir. Ibn Hazm zieht sich entmutigt auf ein Anwesen seiner Familie in der Ta’ifa Sevilla zurück. Ibn Naghrela gelangt in höchste Ämter, während Ibn Hazm als Ketzer im Kerker landet. Zieht sich nach seiner Entlassung zurück und schreibt vergleichendes religionswissenschaftliches Werk. Er polemisiert gegen Christentum und Judentum, politischer Antisemitismus. Die grösseren Ta’ifas von Sevilla und Granada kämpfen gegen ihre schwächeren Rivalen im Norden, welche sich Unterstützung bei den christlichen Königen suchen. Komplizierte Allianzverhältnisse, aber auch neuer Austausch zwischen Christen und Muslimen. Machtverhältnisse verschieben sich jedoch zu Ungunsten der islamischen Seite.
1060 christl.-musl. Allianzen verschaffen den kleineren Ta’ifareichen vorübergehenden Schutz vor ihren mächtigeren Nachbarn. Papst erklärt diese Beziehungen für unmoralisch und strebt die Vertreibung der Muslime an. Eskalation religiöser Spannungen in al-Andalus, während Christen mobilisieren. Der Imam Abu Ishaq mobilisiert mit seiner Dichtung in Granada gegen Christen und Juden und wiegelt die Massen auf. Tausende Juden werden in Granada erschlagen. Christliche Reconquista in Nordspanien. Alfonso VI von Castilien nimmt Toledo, die ehemalige Hauptstadt der Westgoten ein, Herrscher von Sevilla ruft berberische Stämme aus Norafrika zu Hilfe. Die Berber übernehmen jedoch die Herrschaft in Sevilla und führen Religionsreinigung durch. Sahen sich als Retter eines gescheiterten Staates. Zerstören Bibliotheken, Wurzel des Übels in der kulturellen Vielfalt verstanden. Almoraviden und später Almohaden erobern im 12 Jh. iberische Halbinsel zurück. Juden und Christen fliehen aus al-Andalus. Toleranz beendet. Christen eröffnen den ersten Kreuzzug gegen den Islam im Osten. Im Verlauf der Kreuzzüge in den nächsten 3 Jahrhunderten verhärtet Positionen. Almohaden reagieren mit Jihad.
06 Scheideweg
Ende des 12. Jh. Wiederbelebung des Austausches zwischen Christen, Juden und Muslimen. Die Unterdrückung durch die Almohaden vertreibt die Juden aus Südspanien. Maimonides Familie musste aus Cordoba fliehen, gelangt nach Ägypten, wo er Aristoteles Philosophie studiert, die er in Einklang mit den eigenen religiösen Überzeugungen zu bringen vermag. Averroes brachte die aristotelische Philosophie in Einklang mit der Auslegung der islamische Lehre. Wiederentdeckung aristotelischer Philosophie auf beide zurückzuführen. Bischof Raymund lässt in Toledo arabische Schriften übersetzen. Toledo Bildungszentrum Europas. Gerardo von Cremona studiert in Toledo arabische Schriften. Gemeinschaftsübersetzungen mit Khalib. Nährboden für die Renaissance. Astrolabium. Fortführung der Kriege gegen al-Andalus durch die christlichen Reiche. Almohaden vor Sevilla gegen christl. Armee unter Alfonso. Vernichtende Niederlage der Christen. 10jähriger Frieden. Papst erklärt das maurische Spanien zum Ziel eines Kreuzzugs. Das eigene Land sei zu befreien. “Opfer des eigenen Lebens scheint in monotheistischen Religionen von enormen Wert zu sein. Wir verbinden diese Haltung heute aufgrund der Selbstmordattentate eher mit dem Islam, aber der Märtyrertod in der Schlacht ist auch in der christlichen Vorstellung zutiefst verwurzelt.”. 1236, Alfonsos Heer vernichtet die Almohaden, erobern eine Stadt nach der anderen. Beginn des Niedergangs von Al-Andalus. Ferdinand III lässt grosse Moschee in Cordoba zur Kirche umbauen.
07 Letzte Blüte
1236 Beginn der Eroberung von Al-Andalus durch die katholischen Heere. Grossteil der iberischen Halbinsel jetzt christlich. Wissen der Muslime und Juden verbreitet sich durch die gefallenen Städte nach Europa und bereitet den Boden für die Renaissance. Letzte Blüte der Kultur. Mohammed b. Nasr errichtet ein letztes Reich in Südspanien. Blühende Wirtschaft durch Seidenverabeitung und Textilien. Granada Zufluchtsort für multikulturelle Flüchtlinge aus dem Norden. Die neuen Herrscher verwenden muslimische Handwerker. Mauren wandern aus. Bedingungen verschlechtern sich für Juden. Zunehmende Feinseligkeiten gegen Juden. 1252 Alfonso X zum König von Kastilien und Leon gekrönt. Restriktionen für Juden und Muslimeeinerseits, Privilegien und Schutz andererseits. Erlaubnis nach eigenen Gesetzen zu leben solange diese nicht im Gegensatz zu denen des Königreichs stehen. Alfonso Liebhaber arabischer Dichtung, Übersetzer arabischer Literatur. Christen jedoch Überlegenheit zu sichern. Pest befällt Europa. Sündenbocksuche. Juden im Visier. 1354 vergebliche Bitte um Schutz beim spanischen König. Vorübergehende Ablenkung vom Krieg gegen den Islam. Reich von Granada erlebt erstaunliche Blüte. 1354 Alhambra ausgebaut. Mit Gedichten geschmückte Wände der Alhambra.
08 Untergang
Eroberung Konstantinopels, Zusammenbruch des byzantinischen Reiches, 1469, Königin Isabella heiratet in Toledo Ferdinand v. Aragon, Vereinigung von Kastilien und Aragon, Papst setzt die Inquisition ein, Der Dominikaner Tomás de Torquemada als der “Hammer der Ketzer” von Isabella zum Generalinquisitor ernannt. 1487 Putsch in der Herrscherfamilie Granadas. 1490 Granada eingeschlossen. Boabdil übergibt die Schlüssel für Granada. 1492 Ende der Toleranz. Katholisierung Spaniens. Juden konvertieren aber bewahren ihre Traditionen. 1609 Vertreibung der Moriscos. Kulturelle Vielfalt beendet.















